Auch dem spießig braven, regierungsgläubigen Michel stinkt es allmählich

Liebe Leser, heute (03.01.2021) habe ich an einem sogenannten Montagsspaziergang in Bad Krozingen teilgenommen.

Dabei habe ich viele neue Erfahrungen sammeln können, über die ich hier sofort und noch unter den bewegenden Eindrücken berichten möchte.

Vorneweg – im Gegensatz zu den auf zahlreichen Videos im Netz überall präsentierten visuell als Gewaltexzesse der Polizeieinsatzkräfte erkennbaren Grausamkeiten gab es bei uns so etwas nicht.

Erstmals seitdem sich einander unbekannte Menschen montags zum Spaziergang einfinden, war nun die Polizei bereits noch vor 18.00 Uhr vor Ort. Es waren drei Polizeibeamte zu Fuß und mindestens ein Streifenwagen. Darum gebeten hatte niemand – wie man mir auf Nachfrage bestätigte. Man solle so etwas doch künftig anmelden – aber wieso?

Sofern Sie sich davon angesprochen fühlen, rate ich Ihnen hiermit ordnungsgemäß an, künftig jeden Spaziergang in und um Bad Krozingen bzw. dem Polizeirevier Müllheim telefonisch anzukündigen – ich könnte mir allerdings vorstellen, dass sich das der Polizeirevierleiter schnellstens verbitten würde. Da hätte er gewiss recht.

Ich gebe daher einmal vorsichtig zu bedenken, dass sich vermutlich so manche(r) Jogger(in) gefreut hätte, wenn regulärer polizeilicher Schutz in den zahlreichen letzten Jahren rechtzeitig da gewesen wäre. Oder,  wenn so mancher Polizeiposten nicht frühabends schließen würde. Denken Sie doch mal darüber nach, ob und warum das bislang niemanden im Innenministerium interessierte. Auch seitens der Polizei gab es viele Anregungen, die dort schlicht ignoriert wurden.



Ich weiß, dass inzwischen auch Menschen, die sich ganz lange Zeit an alle Regeln gehalten haben, die einfach unheimlich regierungsgläubig sind, also der sogenannte spießbürgerliche, brave, treudeutschdoofe Michel sind, dass es denen jetzt auch allmählich stinkt, mit diesen Corona-Maßnahmen.


Es wurde mir berichtet, dass die Polizei nach dem Veranstalter bzw. Organisator fragte. Die Anwesenden sahen sich um und wussten gar nicht, wer das sein soll. Es geisterte sodann der Begriff eines illegalen Spaziergangs durch die Menschen hin und her. Ich fragte deshalb, welcher Spaziergang neuerdings nur noch ein legaler wäre. Ob neuerdings montags, mittwochs oder anderntags ab 18.00 Uhr Spaziergänge in und um Bad Krozingen illegal seien – so etwas wie eine spaziergangsfreie Zone – Erlaubnis nur mit Kassenbon zum Nachweis eines berechtigten Aufenthaltsinteresses? Das wurde verneint. Man dürfe spazieren gehen.

Die Polizei „begleitete“ dann die Menschen mit den Fahrzeug im Schritt-Tempo. Drei Beamte liefen zu Fuß mit. Ein polizeilicher Sinn erschloss sich mit nicht.

An der Kirche blieb die Gruppe dann stehen. Ich begrüßte Bekannte und Freunde, die ich in der Menge entdeckte. Das Gefühl war wie früher in unserem leider nicht mehr vorhandenen „Café Z“. Man ging einfach hin und traf immer Bekannte; man unterhielt sich. Es war heute eine Viertelstunde vielleicht auch eine halbe Stunde normales Menschsein miteinander. Balsam für die seit zwei Jahren drangsalierten Seelen.

Ich fragte bei einem Polizisten nach dem Grund des Dabeiseins und wer diese gerufen hätte: niemand, man habe so seine Quellen und Kanäle. Also das ist nun wirklich außerordentlich: Das die Polizei neuerdings bei bürgerlichen Spaziergängen eigeninitiativ dabei ist.

Als die Gruppe sich auflöste und die Polizei weg war, stromerte dann auch schon wieder der erste Drogendealer, erkennbar am typischen Umhängetäschchen und seiner übrigen Erscheinung an der Kirche vorbei. Ich bin extra ein paar Minuten noch geblieben, um zu sehen, ob sich schon wieder investigative Polizei einfindet, vermochte aber niemanden zu erspähen. Es ist doch etwas eigenartig, dass die Informationen und Kanäle da nicht funktionieren sollen – finden Sie nicht?

Ich erfragte auch den Grund der Eskorte. Man könnte ja den Verkehr durch Menschen, die nicht auf dem Gehsteig gehen, gefährden. Das gälte dann, wenn wir mal um die Tausend Menschen wären. Wir waren etwas um die Hundert; aber wer weiß, was passieren wird.

Nur gut, wenn einem immer eine Gefahr einfällt, die man als Grund für dieses oder jenes vorbringen mag. Wir waren allesamt Menschen, die des Verhaltens im Straßenverkehr mächtig sind. Es waren viele Kinder und Eltern dabei, auch junge Menschen, denen das Streben nach normaler Lebensfreude als Mangelerscheinung ins Gesicht geschrieben war.

Die Abendspaziergänger sind durch die Zone 20 (ZONE ZWANZIG!) gelaufen. Später lief die Gruppe durch die Zone 30 bis zur Kirche. Ein irgendwie störender oder gestörter Verkehr – geschweige denn eine gewisse notwendige Anzahl von Fahrzeugen, um sich gestört fühlen zu können, war nicht vorhanden. Die Ortskundigen verwundert das für gewöhnlich dort nicht – wie die Polizei darauf kam, erschließt sich mir objektiv nicht.

Womöglich aber ist die Beantwortung einer solchen Frage eine der vielen theoretischen Prüfungsfragen, die wir alle aus unserer Ausbildungszeit irgendwie auswendig gelernt haben und nach der Prüfung nie wieder brauchten.

An der Kirche begannen Menschen unsere Nationalhymne zu singen – erst wenige, dass stimmten viele mit ein. Es waren schöne Stimmen und offenkundig sangen sehr viele Frauen, was mich wirklich verwunderte.

Man kündigte mir polizeilich an, auch um 19.00 Uhr wieder dabei sein zu wollen. Warum mir? Die Spaziergänger gingen in die nächste Runde, u.a. eine Kurparkrunde, das war der etwas sportlichere Teil des Spaziergangs. Die Kinder waren nun zuhause – sie hatten ihren Spaß und Abendspaziergang. Besonders schön waren die zahlreichen Menschen, die in Respekt miteinander und immer wieder in anderer Gruppierung sich unterhielten. Bekannte, die sich seit langer Zeit nicht gesehen hatten, begrüßten sich.

Hier war niemand von der Polizei dabei; es hätte mich auch verwundert, wenn und wie die Herren mit ihrem Auto den Rasen unseres Kurgartens „gepflügt“ hätten. Womöglich lag es daran, dass man dort wirklich keinen Verkehr, sondern nur die örtlichen Drogendealer störte, denn der Kurpark war mit mehr als 100 Bürgern um diese Uhrzeit ungewöhnlich bevölkert.

Die Kultur der abendlichen Spaziergänge mag einen Café-Besuch oder einen Kneipenbesuch nicht zu ersetzen; sie ist aber eine gesunde Alternative mit viel frischer Luft und Bewegung.

Es war so schön, dass manche fragten, ob an das nicht täglich machen könne. Zusammen fühle man sich beim Spazierengehen viel sicherer, als alleine.  – Eigentlich traurig in unserem Land.

Unsere Polizei kann nichts dafür, sicherlich sind unsere Spaziergänge das einsatzlangweiligste in einem Polizistenleben, es sei denn, man erfreut sich als Polizeibeamter schlicht daran zahlreiche ganz normale Bürger zu sehen.

Wer auch immer irgendwann auf die Idee kam, die Zeit ab 18.00 Uhr zur Spazierstunde kulturell zu erheben, der mag wohl an dieses Volkslied aus dem Jahr 1840 gedacht haben, wer kennt es?


Kein schöner Land in dieser Zeit als hier das uns’re weit und breit
Wo wir uns finden wohl Unter Linden zur Abendzeit
Wo wir uns finden wohl Unter Linden zur Abendzeit
Da haben wir so manche Stund‘ gesessen wohl in froher Rund‘
und taten singen, die Lieder klingen im Eichengrund.
und taten singen, die Lieder klingen im Eichengrund.
Daß wir uns hier in diesem Tal noch treffen so viel hundertmal,
Gott mag es schenken, Gott mag es lenken, er hat die Gnad‘.
Gott mag es schenken, Gott mag es lenken, er hat die Gnad‘.
Nun, Brüder, eine gute Nacht, der Herr im hohen Himmel wacht!
In seiner Güten uns zu behüten ist er bedacht.
In seiner Güten uns zu behüten ist er bedacht.


Martina Böswald

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