Es ist nicht Deutschland, das 1961 durch die Türkei gerettet werden sollte, sondern umgekehrt

Ein Kommentar von Dr. Gottfried Curio


60 Jahre deutsch-türkisches Anwerbeabkommen: Gastarbeiter – und der Mythos vom Wiederaufbau


Diesen Monat jährt sich der 60. Jahrestag des Anwerbeabkommens mit der Türkei. Beim Festakt der Türkischen Gemeinde Deutschland war Bundespräsident Steinmeier als Redner geladen und begab sich gleich in eine Schleimoffensive, indem er die Türken in Deutschland beschwor: „Nehmen Sie sich den Platz, der Ihnen zusteht! Nehmen Sie sich den Platz in der Mitte, und füllen Sie ihn aus! Gestalten Sie diese Gesellschaft mit, denn es ist Ihre Gesellschaft!“ Er behauptete, die Gastarbeiter seien keine „Menschen mit Migrationshintergrund, sondern Deutschland ist ein Land mit Migrationshintergrund geworden.“ Er forderte für die Geschichte der Gastarbeiter „einen angemessenen Raum in unseren Schulbüchern und in unserer Erinnerungskultur“.

Die Intention von Steinmeiers Festrede ist offensichtlich: Es geht um nichts weniger, als daß ein neuer Gründungsmythos von Deutschland als Einwanderungsland konstruiert werden soll. Und ein Hauptbestandteil dieses Mythos (neudeutsch Narrativ genannt) ist dabei die Behauptung, Türken hätten das Land nach dem Krieg wieder aufgebaut und die Deutschen seien deshalb zu besonderer Dankbarkeit verpflichtet und sollten Einwanderung, die ihnen erst Wohlstand gebracht hätte, bejahen – woran sich dann direkt das Narrativ anschließt, daß Deutschland „schon immer“ ein Einwanderungsland gewesen sei.


Das Anwerbeabkommen wurde allerdings nicht primär aus deutschem Interesse geschlossen, sondern auf Druck der USA, die die Türkei enger an die NATO binden wollten und dazu selbst von der kriselnden Türkei gedrängt wurden. Es ist also nicht Deutschland, das damals durch die Türkei gerettet werden sollte, sondern eher umgekehrt.


Die verantwortlichen Politiker gaben beim Zustandekommen des Anwerbeabkommens noch vor, es werde sich bei der Anwerbung nur um temporäre Arbeitskräfte handeln; tatsächlich läuteten die Anwerbeabkommen eine Umwälzung der demographischen Verhältnisse ein, die die damaligen Parteien nie zur Wahl gestellt oder als ihre Absicht kenntlich gemacht hatten.

Ist die Geschichte der Gastarbeiter nun eine „große deutsche Erfolgsgeschichte“, wie Baerbock es formuliert?

Die Wirtschaftsdaten sprechen hier eine ganz andere Sprache: Tatsächlich war das BIP pro Kopf in Westdeutschland bereits 1960 wieder höher als in den Niederlanden, Dänemark oder den Siegermächten Vereinigte Königreich und Frankreich. Die akuten Kriegsfolgen waren – den Trümmerfrauen sei’s gedankt! – längst beseitigt. Das Anwerbeabkommen war also *Folge* des Wirtschaftswunders und nicht dessen Voraussetzung.

Tatsächlich waren von den 867.000 damaligen türkischen Gastarbeitern 500.000 wieder zurückgekehrt. Inzwischen wurden hierzulande aus den knapp 400.000 verbliebenen türkischen Gastarbeitern 3 Millionen Türkischstämmige in Deutschland: Das Instrument der Familienzusammenführung wurde als rechtliches Vehikel der Einwanderung nach Deutschland genutzt; war dann die türkische Community erst einmal etabliert, erzeugte dies eine Sogwirkung für weitere Einwanderung, auch über das Asylrecht.

Dessen sollte man sich bewußt sein, wenn es – wie jetzt in Afghanistan – um die Aufnahme angeblich nur relativ kleiner Gruppen geht, die sich dann durch die Möglichkeiten der Gesetzeslage potenzieren.

Früher tickte die SPD noch anders – und benannte die wahren Verhältnisse, ohne ideologische Scheuklappen.

So mußte Helmut Schmidt konzedieren: „Es war ein Fehler, daß wir Anfang der siebziger Jahre Gastarbeiter aus fremden Kulturen ins Land holten.“ Und selbst Willy Brandt, auf den sich die heutige SPD so gerne beruft, hat immerhin die Anwerbeabkommen in der Ölkrise 1973 gestoppt. Auch jetzt steht Deutschland vor wirtschaftlichen Verwerfungen: Die Staatsfinanzen sind – durch die Coronaprogramme noch verschärft – in der ganzen EU völlig zerrüttet. Bei 2,9 Mio. Arbeitslosen, immer noch 600.000 Kurzarbeitern und in astronomische Höhen steigenden Mietpreisen ist es völlig verfehlt, ein ‚modernes Einwanderungsrecht’ für noch mehr Einwanderung zu fordern.

Während bei den Grünen es quasi Statussymbol ist, sich Einwanderung leisten zu können, trommelt die FDP für 500.000 Einwanderer pro Jahr als Lohndrücker und sieht den Zuspruch von Arbeitgeberseite als besonderen Ausweis ihrer Wirtschaftskompetenz.

Die Politik muß sich der Vereinnahmung durch die Arbeitgeberverbände ebenso wie durch alle anderen Pressure Groups erwehren und darf – heute wie 1961 – deren Partikularinteresse, die Löhne zu drücken, nicht mit den wirtschaftlichen Interessen der Deutschen verwechseln.

Mit wirtschaftlichen Scheinlogiken wurde damals Schritt für Schritt der temporäre Charakter der Gastarbeit ausgehöhlt, angefangen mit dem Ende des Rotationsprinzips 1964, fortgesetzt mit dem Familiennachzug.

Viele Branchen, für die damals angeworben wurde, z.B. die Textil- und Montanindustrie, haben damit ihren Niedergang nur hinausgezögert. So wurden aus Arbeitervierteln Brennpunktquartiere, die Folgen vergesellschaftet.

Statt den Strukturwandel zu verschleppen und Wettbewerbsfähigkeit durch Lohndrückerei zu erzielen, hätte man sich damals wie heute auf wirtschaftliche Modernisierung und Produktivitätssteigerungen konzentrieren sollen. Statt immer mehr Bedarf an Integrationspolitik zu schaffen, hätte man die gesellschaftlichen und finanziellen Ressourcen in eine aktivierende Familienpolitik stecken sollen.

2 Kommentare zu „Es ist nicht Deutschland, das 1961 durch die Türkei gerettet werden sollte, sondern umgekehrt

Gib deinen ab

  1. Dr. Curio (AFD) bringt die linke Multikulti-Problematik der stark linksideologischen Kartellparteien, mittlerweile einschließlich der CDU/CSU und FDP, dankenswerterweise auf den Punkt.

    Seine Sachargumente entzaubern z.B. den altkommunistischen Bundespräsidenten Steinmeier von der SPD und zeigen uns deutlich, welche Interessen Herr Steinmeier verfolgt und wie wenig er seine Neutralitätspflicht in seinem Amt wahrt.

    Er sollte eigentlich für die Interessen aller Deutschen sprechen und hierbei die besonderen Leistungen für den Wiederaufbau Deutschlands durch die so genannten Trümmerfrauen ehren und in Erinnerung aller Deutschen als geschichtliches und kulturelles Erbe halten.

    Stattdessen sollen gerade diese leidgeprüften Deutschen verleumdet, stigmatisiert und diskriminiert werden, damit das Deutschland feindliche, linksideologische Bild zementiert werden kann und linke Träumereien keine bedrohliche Risse erhalten.
    Und wieder einmal zählt für Linke die Realität und nicht mehr leugnenbare historische Fakten nicht allzu viel.
    Gerade dieser generelle Konflikt der Linken mit der Wahrheit, macht sie zu gefährlichen Demokratiefeinden und erklärt ihre verhängnisvolle, staatsfeindliche Liebe zur Zensur und Verboten.

    Insofern ist die gegenwärtige Machtkonstellation durch die ins Extremistische neigenden Linksparteien besonders unglücklich und existenzgefährdend für Deutschland.
    Die Wendelinpartei, bzw. Lindner-FDP, wirkt bei dem gegenwärtigen Getrickse um eine neue Koalitionsvereinbarung nicht gerade vertrauenserregend und bestätigt meine tiefe Skepsis und Vorbehalte gegenüber der Beliebigkeit der FDP.

    Die Lindner-FDP handelt frei nach den Worten, wie schon in Thüringen bitter zur Kenntnis genommen: „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern!“

    Die Berliner Falschwahlen und Wahlmanipulationen, übrigens nicht nur in Berlin, hier dürfen Wähler mitwählen, die dazu überhaupt keine Wahlberechtigung gehabt haben, sind schon richtungsweisend für einen künftigen deutschen „failed State“ und was uns mit grünlinken Regierungen künftig erwartet.

    In Berlin ist diese Wahlmanipulation besonders drastisch zu erkennen, etwa durch eine Wahlbeteiligung bis zu 150 %, doch auch in anderen Regionen Deutschlands werden offensichtlich die Wahlen, nicht ganz so auffällig und ganz so dreist, bereits mit irregulären Mitteln beeinflusst.

    Dieser Umstand wird zu einem immer größeren Problem in Deutschland und verhindert den dringendst benötigten demokratischen Selbstreinigungsprozess in unserem Land.

    Eine weitere Kandidatur Steinmeiers oder die Kandidatur von Frau Göring-Eckhardt als Bundespräsident sind abschreckende und mahnende Signale.

    Die gegenwärtig grünlinke Politik sollte so schnell wie möglich durch eine freiheitlich-bürgerliche Vernunftspolitik in der Zukunft ersetzt werden.
    Genau die grünlinke Politik macht die von Herrn Dr. Curio in seiner Stellungnahme beschriebenen unsäglichen linken Narrative erst möglich.

    Die Geschichtsleugnung ist hierbei lediglich ein Teil linker und grünlinker Uminterpretationsversuche.
    Nicht weniger als die Natur selbst scheint diesen total durchgeknallten und realitätsvergessenen Linken im Wege zu stehen.

    Das bittere Ende dieser linksideologischen Politik wird daher unvermeidbar sein.
    Auch eine Wiedergeburt einer freiheitlich-bürgerrlichen Politik des gesunden Menschenverstandes wird leider nicht ohne Schmerzen und nicht ohne einen zivilcouragierten Kampf abgehen.
    Hoffen wir und tun wir alles dafür, dass die Einsicht bei vielen Bürgern für eine bessere, entideologisierte Sachpolitik rasch wachsen möge.

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    1. Das türkische Volk war um 1960 am verhungern. Konrad Adenauer wollte dennoch keine Menschen aus fremden Kulturen in Deutschland haben. haben. Da die Türkei seinerzeit aber auch schon in der Nato war, haben die Amerikaner bei Adenauer darum gebuhlt, Türken begrenzt als Gastarbeiter in Deutschland aufzunehmen. Was daraus wurde wissen wir alle!

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