Der Kampf der CDU für die Unfreiheit der Frau

Ein Gastbeitrag von Stephan Eissler:


Von einem CDU-Abgeordneten darf man nicht unbedingt die Fähigkeit zum eigenständigen Denken erwarten.

 

Denn unter der Parteivorsitzenden Angela Merkel ist dies einer politischen Karriere in der CDU äußerst abträglich.

Allerdings setze ich bei einer Journalistin die Fähigkeit zu kritischem Denken unbedingt voraus. Es scheint jedoch so, dass eine simple rhetorische Volte gegen die AfD ausreicht, damit in der linken Medienwelt das kritische Denken aussetzt und die infantile Begeisterung einsetzt.

Nehmen wir nur mal diesen Absatz aus dem WELT.de Artikel:

[…] Unter anderem habe die AfD in dem Antrag für ein Verbot der Vollverschleierung im öffentlichen Raum die Menschenwürde angeführt. „Aber sie schützt nicht vor der Autonomie, eine Burka zu tragen“, so der CDU-Politiker. „Ich mache Ihnen das an einem Beispiel deutlich: Sie haben ja hier die Abgeordnetenfreiheit aus Artikel 38. Die zwingt Sie auch nicht, richtige Anträge zu stellen. Sondern sie erlaubt es Ihnen, solchen Quatsch hier vorzulegen.“ […]

Was Merkels Polit-Wichtel mit „Autonomie, eine Burka zu tragen“ meint: Wenn muslimische Frauen unbedingt eine Burka tragen wollen, dann sollten wir sie nicht daran hintern. Schließlich haben muslimische Frauen die vom Grundgesetz verbriefte Freiheit, eine Burka zu tragen!

Amthors Rede basiert also unausgesprochen auf gleich zwei gewagten Behauptungen:

  1. ERSTENS plappert Philipp Amthor gänzlich ahnungslos der konservativen Islamlobby nach, indem er implizit von der Annahme ausgeht, dass die Verschleierung im Islam ein wesentlicher Bestandteil der Religionsausübung sei. Dies ist jedoch mindestens äußerst zweifelhaft! [1]
  2. ZWEITENS geht er unausgesprochen von der Annahme aus, dass muslimische Frauen sich freiwillig verschleiern. Und, ja tatsächlich, es gibt zweifellos muslimische Frauen, die sich freiwillig verschleiern. Allerdings kann man daraus nicht verallgemeinernd ableiten, dass alle muslimischen Frauen – oder auch nur die Mehrheit – dies freiwillig tun. Denn dem ist definitiv nicht so! [2] Daher darf man getrost annehmen, dass sich Philipp Amthor einen Dreck um die Freiheit jener muslimischen Frauen schert, die sich aufgrund des Drucks ihres Umfeldes (ihrer Familie und Verwandschaft sowie ihrer muslimischen Community) verschleiern müssen.

Womit wir bei einem Wesensmerkmal der CDU und ihres Spitzenpersonals wären: Die Perfektionierung der ehrlich gemeinten Unaufrichtigkeit. Jacklin Chatschadorian bringt dies wie folgt auf den Punkt:

„Wer die Vollverschleierung ernsthaft, und nicht nur aus Gründen rhetorischer Spielchen, ablehnt, der behauptet nicht, alles „mögliche“ tun zu wollen, während er darlegt, wie „unmöglich“ das Vorhaben ist. Amthor geht es offensichtlich nicht um die Sache, sondern nur um die parteipolitische Bekämpfung der Opposition. Ihm liegt weder etwas an der Werteordnung dieser Gesellschaft, die er als Abgeordneter zu vertreten hat, noch an dem Leid der unterdrückten Muslima, die zur eigenen Entmenschlichung und Freiheitsberaubung gezwungen wird.“

Man kann daher nur Katharina Ildiko Szabo beipflichten, die an anderer Stelle auf facebook folgendes schrieb:

Inzwischen tut mir Bundestagsfrischling Philipp Amthor ein wenig leid. Womöglich ist er von der CDU verheizt worden. Welcher gestandene Politiker wäre schon so naiv, sich im eifernden Tonfall eines Freisler ans Rednerpult zu stellen und zu verkünden, dass Artikel 1 (Menschenwürde) und Artikel 2 (Recht auf körperliche Unversehrtheit) des GG in Deutschland lediglich für Männer uneingeschränkt gelten, für Frauen nur dann, sofern Islamisten unter einem niemals einschränkbaren Art 4 (Recht auf freie Religionsausübung) keine Sonderrechte geltend gemacht haben. Welcher Profipolitiker wäre so dumm, öffentlich und leidenschaftlich Frauen zu Menschen 2. Klasse zu erklären. Welcher Spitzenpolitiker wäre so wahnsinnig, allen Frauen des Landes den Krieg zu erklären?“


 

FUSSNOTEN:

[1]
Zum Thema „Verscheierung und Islam“:

beck.de – Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte: „Verbot von Gesichtsschleiern kein Verstoß gegen Menschenrechte

tagesschau.de – „Der Koran schreibt keinen Gesichtsschleier vor

stern.de – Burkaverbot: „Die falsche Freiheit im Stoffgefängnis„. Bei der Debatte um ein Verbot der Burka fällt häufig der Begriff „Freiheit“. Aber um wessen Freiheit geht es bei der Diskussion eigentlich? Um die der Frauen, die sich verschleiern wollen? Oder um die der Frauen, die unterdrückt werden?

welt.de – KOPFTUCH UND ISLAM: „Im Iran oder Saudi-Arabien wäre ich längst tot„. Vor zehn Jahren legte die Tochter des Gründers der Milli-Görus-Bewegung ihr Kopftuch ab und empfand sich erstmals als freier Mensch. Was hat das Kopftuch heute noch mit Islam zu tun? Sie sagt: Nichts.

ksta.de – Gastbeitrag Lale Akgün: „Verhüllung ist Instrument und Symbol weiblicher Unterdrückung

[2]
welt.de – „Eure Gefängnisse sind wie Urlaub mit Picknick„. Dank Ignoranten wie Philipp Amthor haben muslimische Frauen, die vor islamistischer Repression geflohen sind, auch hier in Deutschland die gleichen Repressionen erleiden. Exemplarisch berichtet dazu die WELT über eine muslimische Geflüchtete: „Als hübsche Frau mit langen blond gefärbten Haaren, körperbetonter Kleidung und aufwendigem Make-up war sie im Heim täglich den sexistischen Belästigungen allein reisender Männer und auch verheirateter Familienväter ausgesetzt. Wann immer diese Männer sie nun in der Innenstadt sähen, würde sie angefeindet und teilweise aggressiv dazu aufgefordert, sich islamisch zu kleiden. Ihre Teenager-Töchter wurden im Heim häufig von Afghanen belästigt.

emma.de – Auch hier geborene muslimische Mädchen, die kein Kopftuch tragen wollen, haben in Deutschland unter zunehmenden Repressionen durch ihr muslimisches Umfeld zu leiden, wie schon vor Jahren bei EMMA berichtet wurde: „Mobbing gegen kopftuchfreie Mädchen„. So weit ist es inzwischen schon, klagt die Islamwissenschaftlerin Rita Breuer. Für sie ist die „Freiheit zum Kopftuch“ längst zur Bedrohung für alle Mädchen geworden, die keines tragen.

berliner-zeitung.de – „Religiöses Mobbing Wenn Gummibärchen in Berliner Schulen plötzlich zum Problem werden„. Erst vor kurzem wies auch eine Berliner Lehrerin darauf hin, dass schon kleine Mädchen zum Tragen eines Kopftuches gezwungen werden: „Schon Grundschülerinnen würden immer öfter von Familie und Mitschülern unter Druck gesetzt, ein Kopftuch aufzusetzen. ‚Da gibt der Opa dann 100 Euro dafür’“.

derstandard.at – Auf das gleiche Problem weist auch dieser Artikel hin: „Die Schule sollte ein kopftuchfreier Raum sein„. Heiko Heinisch über das Problem mit dem Islam, paternalistische Linke und Mobbing gegen Mädchen ohne Kopftuch.

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